Diese Kirche, der Gemeindesaal und der Kindergarten unterhalb sind eine bauliche Einheit. Die äußere Erscheinung der Baugruppe hat „kristallinen" Charakter und folgt bis in alle Einzelheiten den Gesetzen des Sechseck-Systems. Sie hat damit Ähnlichkeit mit Formen, die wir auch in der Natur vorfinden, wie z. B. in einem Basaltbruch oder in einem Bienenstock. Die Logik und Harmonie dieser Naturformen sollten in den Bauformen wiederkehren.
Das Grundmotiv ist in der sechseckförmigen Pflasterung der Außenanlagen vor-gegeben, wächst empor zum Baukörper, wiederholt sich in den Details, wird vielfältig variiert bis hin zum sechseckigen Schrein des Tabernakels.
Beton als amorphe Masse, die sich in jede vorgegebene Form gießen lässt, wurde als der adäquate Baustoff angesehen und ausgewählt. So sind alle Wände bis zur Höhe des Gesimses innen und außen in hellgrauem Sichtbeton ausgeführt. Nur der Helm über dem Kirchenschiff wurde als Stahlfachwerk mit drei sichtbaren Haupttragbindern gebaut, innen mit Holz und außen mit naturfarbenem hellgrauen Eternitschiefer verkleidet. So bleibt die formale Einheit erhalten, die Struktur aber wechselt.
Die innere Funktion soll außen in allen Teilen ablesbar sein. So zeichnet sich der Hauptkirchenraum in dem stufenförmig ansteigenden Kirchendach ab. Unter der höchsten Dachfläche steht der Altartisch. Die äußere Form der Kirche ist auch als städtebauliche Dominante gegenüber der eher eintönigen Bauweise des Wohngebietes Pfaffendorfer Höhe gedacht.
Das Innere der Kirche ist gekennzeichnet durch lichte Weite und Höhe. Konstruk-tion und Strukturen des Baumaterials sind überall deutlich ablesbar. Der Raum erhält sanftes indirektes Licht durch die Oberlichtbänder im Kirchendach. Die Farb-fenster im unteren Bereich geben dem Raum einen festlichen Akzent.
Der Zeltcharakter wird durch die Naturholzverschalung ebenso unterstrichen wie durch die bewegliche Bestuhlung. Die Weltoffenheit wird durch die Transparenz der Windfangtüren angedeutet, die Inneres und Äußeres miteinander verbinden.
Als Kirche, Gemeindesaal und Kindergarten gebaut wurden, hatten wir Vorstellungen darüber, was eine christliche Gemeinde sein kann. Das hat auch die ganze Konzeption unseres Gemeindezentrums bestimmt.
Wir wollten eine Kirche bauen, in die man nicht nur hinein und wieder heraus-geht, losgelöst vom Leben draußen. Unsere Kirche soll Lebensraum sein. Nicht der Bau als solcher hat einen Sinn, sondern er gewinnt erst Sinn, wenn wir darin zusammenkommen und uns begegnen. Nicht die Atmosphäre eines sakralen Raumes soll hier vorherrschen, sondern eher die des vertrauten Zuhauses. Wir kommen hier zusammen, damit wir gemeinsam unsere menschlichen Möglichkeiten erproben, nicht nur hörend in einer Art Einbahnkommmunikation, sondern auch miteinander sprechend.
Auf eine statische Sakralität des Raumes wollten und wollen wir gern verzichten und an deren Stelle das Dynamische eines Umgangs im Geist und in der Gesinnung Jesu setzen. Unsere Kirche ist kein Museum, sondern ein schöner Ver-sammlungsraum, der dadurch zum Haus Gottes wird. Der Tischaltar steht in der Mitte, wir sitzen wirklich um den Tisch. Die ganze Konzeption ist so, dass wir keinem distanzierenden Kult beiwohnen. Wir sind eine Gemeinschaft, in der es kein „Oben" und kein „Unten" gibt. Auch der Leiter des Gottesdienstes hat keinen erhöhten Sitz. Alle stehen unter dem Wort, und alle schauen in eine Richtung.
Unsere jetzt über 50 Jahre alte Kirche sollte nie ein „Warteraum der Zukunft" sein, sondern ein Ort, in dem wir an der Zukunft bauen, indem wir den Umgangsstil Jesu probieren.
Auch das Drum und Dran dient den gleichen Zielen: Der Gebäudekomplex steht auf einem ansehnlich großen Grundstück. Man muss nach den Gottesdiensten nicht direkt auseinandergehen. Vor den Eingängen ist viel Platz zum Beieinanderbleiben.
Katholisches Pfarramt Koblenz Heilig Geist
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